Multivision e.V.

Jugendarbeit und Gewaltprävention.


Schulinterne Lehrerfortbildungen

3 Module für schulinterne Lehrerfortbildungen zum Thema:
"Menschliche Grundbedürfnisse im Schulalltag"

"Alles, was Menschen tun, ist ein mehr oder weniger gelungener Versuch, sich Bedürfnisse zu erfüllen"
(Marshall Rosenberg).

Es gibt eine Reihe von Grundbedürfnissen, die für alle Menschen, also auch für SchülerInnen oder LehrerInnen wichtig sind. Wenn diese Bedürfnisse über längere Zeit nicht bewusst wahrgenommen und ausgedrückt werden, entsteht ein innerer Zustand mit der Überschrift "Frustration". Darunter leiden SchülerInnen und LehrerInnen gleichermaßen. Sie sitzen also auf der Ebene menschlicher Grundbedürfnisse im selben Boot.
Die Lehr- Lernbeziehung und damit auch der Lernerfolg hängen in starkem Maße davon ab, inwieweit beide Seiten in der Lage und bereit sind, Strategien zu entwickeln, die sowohl die eigenen, als auch die Grund-Bedürfnisse anderer berücksichtigen.
Der erste Schritt ist immer die Sensibilisierung für Bedürfnisse. Erst wenn ich mir darüber klar bin, was ich brauche, kann ich das auch ausdrücken. Dieser Vorgang ist im normalen Schulalltag verkümmert, sowohl LehrerInnen als auch SchülerInnen wissen häufig nicht, was sie gerade brauchen und erleben sich als weitgehend fremdbestimmt. Damit Bedürfnisse berücksichtigt und erfüllt werden können, müssen sie zunächst selbstverantwortlich ausgedrückt werden.

Das erste Fortbildungsmodul richtet sich an die Lehrkräfte (ca. 12 TeilnehmerInnen) Es geht zunächst um ein grundsätzliches Verständnis der Relevanz von Bedürfnissen für die Effektivität des Lehr-Lernsettings. Nach der Begriffsklärung und Bestandsaufnahme stellt sich relativ schnell die Frage, ob im Team genug Vertrauen zueinander besteht, offen über den Stand der Erfülltheit oder Frustriertheit der eigenen menschlichen Grundbedürfnisse zu reden. Um uns über eigene Bedürfnisse auszutauschen, brauchen wir ein gemeinsames, einfühlsames Vertrauensfeld. Ist dieses Vertrauen gestört oder nicht existent, ist der weitere Lernvorgang behindert bis unmöglich. Dies gilt für SchülerInnen ebenso wie für LehrerInnen.
Stellt sich also im Rahmen der ersten Fortbildungseinheit heraus, dass dieses nötige Vertrauen nicht gegeben ist, (ggf. anonyme Vertrauensabfrage auf vorbereiteten Mod.-Karten) wird zuerst an diesem Punkt gearbeitet und das Team entsprechend begleitet. Dies kann eine Konfliktklärungsarbeit sein, bei der die Fortbildner das Mittel der Mediation oder des fishbowl, je nach Thematik, anbieten und durchführen.

In der zweiten Trainingseinheit geht es um die Unterscheidung zwischen Bedürfnissen und Strategien, die zur Erfüllung eines Bedürfnisses führen sollen.
Die Einzel und Paarübungen zielen darauf ab, den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen zu vertiefen und volle Verantwortung für die Erfüllung zu übernehmen. Anhand des Igel-Modells wird klar, dass es immer mehr Möglichkeiten gibt, ein Bedürfnis zu erfüllen, als wir denken. Diese Erkenntnis bereitet den dritten Teil der Fortbildung vor, die mit LehrerInnen und SchülerInnen gemeinsam durchgeführt wird.

Das dritte Modul richtet sich an eine aus LehrerInnen und SchülerInnen bestehende Gruppe möglichst gleicher Anzahl (z.B. 12 LehrerInnen, 12 SchülerInnen). SchülerInnen erfahren hier, dass für ihre LehrerInnen die gleichen Bedürfnisse wichtig sind, wie für sie selbst und dass die Chance auf Erfüllung sich stark erhöht, wenn beide Seiten dies im Blick behalten. Dieses Vorgehen knüpft an die positiven Erfahrungen aus der Ausbildung zu StreitschlichterInnen und KonfliktmediatorInnen an. Dort werden SchülerInnen und LehrerInnen gemeinsam darin trainiert, sowohl die eigenen als auch die Bedürfnisse von anderen zu berücksichtigen, besonders, wenn es zum Konflikt kommt. (Beispiel) Die Erfahrung hat gezeigt, dass SchülerInnen normalerweise nicht mit dem Bewusstsein auf ihre LehrerInnen schauen, dass diese genauso Anerkennung, Sicherheit, Einfühlung oder Zugehörigkeit brauchen, wie sie selbst. Im Laufe des Trainings entsteht durch diese Erfahrung eine Verbündung, die sich sehr positiv auf das Unterrichtsgeschehen auswirkt.
Die im dritten Modul gemeinsam erarbeiteten Strategien zur Bedürfnisbefriedigung stellen die Grundlage für eine partnerschaftliche und effektive Lehr-Lernbeziehung dar.

Das Thematisieren von Bedürfnissen und die regelmäßige Pflege einer partnerschaftlichen Kommunikation darüber ist besonders beim Wechsel der Schulform, also zu Beginn der Jahrgangsstufe 7 in den weiterführenden Schulen zu empfehlen. An einigen Schulen ist es bereits üblich, bei den 7. Klassen Zeit in den Aufbau sozialer Beziehungen durch so genannte "Kennenlern-Tage" zu investieren. Diese finden in der Schule oder außerhalb statt. In diese Phase passt ein Training zur Sensibilisierung für Bedürfnisse und zum gemeinsamen Erarbeiten von Strategien zu ihrer Erfüllung ausgezeichnet.


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